Ich gehe viel so selten zu Lesungen !
Nachdem ich per Instagram von Melanie Raabe erfahren durfte, dass am 4. Mai die erste Kölner Literaturnacht stattfindet, habe ich mich erst einmal zwei Tage durch das Programm der Veranstaltung gewühlt.
Begeistert hat mich die Fülle von verschiedenartigen Veranstaltungen, was meine Qual der Wahl nicht kleiner machte. Erst im Laufe des Abend bin ich darauf aufmerksam geworden, dass die Literaturnacht ausschließlich Kölner Schriftstellern eine Plattform bietet, ihre Texte in Lesungen, Diskussionen, Workshops und Werkstattbesuche vorzustellen. Das hat mir sehr gut gefallen, bot es mir doch die Möglichkeit für mich neue Autoren kennenzulernen.
Im Vorfeld wurde uns Lesern/Hörern/Zuschauern Spannendes, Lyrisches und Lustiges auf großen Bühnen und Geheimtipps in kleinen Lokalitäten versprochen.
Was soll ich sagen – Das ist gelungen!
Nach langem Feilen am Zeitplan, schließlich musste ich vom Niederrhein kommend unter den vielen Programmpunkten und –Orten eine kleine Reiseroute erstellen, konnte ich dann tatsächlich nur noch drei Events, neben der vorab schon fest gelegten „Begegnung mit Melanie Raabe“ einplanen. Das Dilemma war halt, dass viele Lesungen, Interviews und Begegnungen, die mich interessierten in einem Zeitfenster von 18.00 bis 21.00 parallel stattfanden und die Wege von einem Lesungsort zum anderen oft zu weit waren um pünktlich zur nächsten Veranstaltung anwesend zu sein.
Da mein Mann so lieb war mich bei dieser Literaturnacht zu begleiten, sollte es auch ein abwechslungsreiches Programm sein.
Den Anfang machte um 17.00 im Weinhandel Trehörn, Dellbrück,
Katinkas köstliche Kurzgeschichten
Mit einem Glas Wein, Saft oder Wasser in der Hand durften wir dem unterhaltsamen Vortrag von Katinka Buddenkotte folgen.
Katinka Buddenkotte, der Name ist echt, wie sie uns gleich zu Beginn versichert, in Münster geboren, ist eine deutsche Autorin und Kabarettistin. Sie jobbte nach dem Abitur unter anderem in einem Call-Center, als Sozialarbeiterin, Kellnerin und als Werbetexterin. Ihre Erfahrungen verarbeitet sie in satirischen Kurzgeschichten.
Diese Kurzgeschichten sind einfach köstlich. Eine entführte uns in die Vor-Weihnachtszeit. Thema: Was schenken wir den Eltern? Selbstgemachtes, Selbstgebackenes erscheint immer als gute und auch oft letzte Möglichkeit. Katinka beschreibt humorvoll und witzig ihre Erfahrungen und Erlebnisse.
Eine Geschichte aus ihrem Solo-Programm behandelte den Sinn und vor allem den Unsinn des Sports. Ihre Argumente und Schlussfolgerungen gegen unsinnige Sportarten wie Marathon laufen oder auch Hammer werfen trafen zielgenau und hatten zahlreiche Lacher auf ihrer Seite. Auch mein Mann, der selbst schon mehrere Marathons gelaufen ist, konnte sich der Komik und dem Witz ihrer Darbietung nicht entziehen.
Erster Programmpunkt gelungen: Neue Autorin kennengelernt, von der ich sicher noch mehr lesen möchte – unterhaltsame Lesung in angenehmer Umgebung erlebt.
19.00 in der Maternus Buchhandlung, Severinstr. 76
Julia Trompeter – „Frühling in Utrecht“
Die Maternus-Buchhandlung war eine Super-Location für eine kleine Lesung. Bis in die kleinste Ecke wurden Klappstühle aufgestellt, noch ein bisschen hin-und her geruckelt um noch einen letzten kleinen Platz für die zahlreiche Leserschar zu schaffen.
Julia Trompeter, geboren in Siegburg, ist eine deutsche Autorin, die zunächst durch ihre Lyrik-Performances bekannt wurde. Ihr Debütroman wurde von den Feuilletons positiv aufgenommen. Beruflich ist sie auf dem Gebiet der antiken Philosophiegeschichte tätig.
Die Entscheidung zu dieser Lesung zu gehen, habe ich ausschließlich aufgrund des Klappentextes getroffen. Lyrik und Philosophie sind nicht mein Ding. Deshalb hab ich von dieser Lesung am wenigsten mitgenommen. Frau Trompeter hat gut gelesen, die Thematik des Romans interessierte mich auch, aber für meinen Geschmack wurde im Text zu viel philosophiert. Ist halt Geschmacksache. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten Zuhörer beeindruckt waren.
20.00 im roten Saal der COMEDIA
Die Thriller Autorin „Eine Begegnung mit Melanie Raabe“
Melanie Raabe schrieb die preisgekrönten Thriller „Die Falle“ und „Die Wahrheit“. Nun präsentiert sie ihr neues Werk „Der Schatten“. Ein raffiniert inszeniertes Versteckspiel zur Problematik der Privatsphäre in Zeiten der Digitalisierung. „Eine Geschichte, die nicht bloß ein packender, cool inszenierter Psychothriller ist – sondern auch ein glasklarer Kommentar zu wichtigen Themen der Zeit“, sagt Autor und Journalist Ulrich Noller.
Die Organisation und auch der Zeitplan sind in der Comedia etwas durcheinander geraten. Das Gespräch konnte erst zehn nach acht beginnen und dauerte statt vierzig Minuten über eine Stunde, was für mich ein großer Genuss war. Anderen Zuhörern brachte es natürlich ihren Zeitplan vollkommen durcheinander.
Da ich „Der Schatten“ bereits gelesen habe, erwartete ich keine umfangreiche Lesung mehr. Ich freute mich auf das Gespräch zwischen dem Journalisten Ulrich Noller und Melanie Raabe. Und ich wurde nicht enttäuscht. Melanie Raabe hat nur zwei kurze Passagen aus ihrem neuen Buch gelesen und dann viel über dieses Buch erzählt, von ihrer Arbeit als Autorin gesprochen, von ihrer Arbeitsweise, wie ihre Buch-Ideen entstehen……..
Wir haben so viel erfahren über Melanie Raabe, ihre Arbeit und ihre Pläne. Entlockt wurden ihr diese Einblicke von den klugen Fragen und aufmerksamen Einwürfen des Journalisten Ulrich Noller. Selten habe ich ein Gespräch zwischen Autor und Journalist auf dieser Augenhöhe erlebt.
Danke, das war wirklich ein Genuss zu hören und eine Augenweide zu sehen.
22.00 in der Buchhandlung Goltsteinstr. 78
Hold on, I’m coming ! Husch Josten und Alexander Paeffgen erzählen von Ekstase
Hildegard „Husch“ Josten, geboren in Köln, ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin. Josten studierte Geschichte und Staatsrecht in Köln und Paris. Zunächst arbeitete sie bei Burda Media und volontierte bei der Kölner Rundschau. Anschließend leitete sie die Pressestelle der Köln-Arena. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin.
Sechs zum Teil preisgekrönte Romane hat sie bis jetzt veröffentlicht. Leider von mir bis gestern völlig unbeachtet, obwohl der Titel ihres zweiten Romans „Das Glück von Frau Pfeiffer“ lautet. Mein Mann erwiderte sofort, dass er doch mein Glück wäre.
Ihr neues Buch „Land sehen“ hat sie nicht vorgestellt, sondern eine neue soulige Geschichte (Soul im Elch), für diesen Abend geschrieben und vorgelesen. Während sie diese kuriose Geschichte vortrug, wurde sie von einer Video-Installation und souliger Musik, von Alexander Paeffgen aufgelegt, unterstützt.
Auch dieses Event war wieder anders und besonders.
Bettina Boettinger hat den vorherigen Auftritt (21.00) genossen und war noch im Gespräch mit Husch Josten als wir zu der Lesung eintrafen. Dadurch hatte ich die Gelegenheit Frau Boettinger, die ich beim „Kölner Treff“, „B.trifft“ und „Ihre Meinung“ verfolge und bewundere, anzusprechen und festzustellen, dass sie privat genauso locker ist und sich aufmerksam und freundlichen mit ihrem Gegenüber beschäftigt.
Das war eine überaus gelungene Literaturnacht und sicher nicht unsere letzte.
