Veröffentlicht in Thriller

Krankmachende Kindheit

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Vidal Vendel findet seine Frau Eva erhängt im Flur ihres gemeinsamen Hauses vor.

Eva, Lehrerin in einer Privatschule, wurde erdrosselt und anschließend erhängt. Dieser grausame Mord stellt Kommissarin Idun Lind und ihren Kollegen Calle Brandt vor großen Rätseln. Kein Motiv ist zu erkennen. Eva war äußerst beliebt bei den Schülern und auch privat treten keine Feinde in Erscheinung. Außer ihrer Stieftochter, aber die hat ein Alibi.

Die Entführung der 5-jährigen Ellen aus ihrer Kita, lässt jeden Ermittlungsansatz zur Nebensächlichkeit schrumpfen. Alle verfügbaren Einsatzkräfte werden mobilisiert für die fieberhafte Suche nach der kleinen Ellen.

Dieses Thriller-Debüt von Tina N. Martin hat mir sehr gut gefallen.

Mit viel Liebe und Detailtreue hat die Autorin die Protagonisten gezeichnet. Endlich mal eine Ermittlerin, die nicht im Vorfeld gebrochen wurde und desilluminiert ist. Stattdessen brennt Idun Lind für ihre Arbeit, tauscht sich ständig mit ihrem Partner Calle Brandt aus, joggt und boxt sogar in ihrer Freizeit mit ihm und wird von ihrem Vater und ihrer Schwester nach Kräften unterstützt. Calle Brandt ist kein einfacher Kollege, aber ein genialer Stratege. Beide profitieren voneinander. Es war unterhaltsam und manches Mal auch amüsant, wie die Beiden ihre Rollen übergangslos tauschten, um ihr Gegenüber zu einer Aussage zu bringen.

Den interfamiliären Austausch zwischen Idun, ihrem Vater, der Psychologe ist, und der Schwester, die Religionswissenschaftlerin ist, habe ich so auch noch nicht gelesen. In diesem Fall war dieser Austausch von großer Wichtigkeit, aber ich kann mir vorstellen, dass dieser Austausch auch bei weiteren Fällen nützlich sein wird. Und weitere Fälle wünscht man sich als Leser nach der Lektüre des Apfelmädchens. Übrigens als Titel hätte ich mir was anderes als „Apfelmädchen“ gewünscht. Der Begriff kam schon sehr früh im Buch vor und ich grübelte die ganze Zeit über einen Zusammenhang zum Gelesenen nach, was etwas von der Story bzw. von der Spannung wegnahm.

Der Schreibstil der Autorin ist gut lesbar und die verschiedenen Perspektiven geben ständig Einblicke in die Psyche und Gedankenwelt der verschiedenen Protagonisten. Die Kapitel, die Vergangenes erzählen, sind klar datiert und zeigen die immer wiederkehrenden Abgründe familiärer Verhältnisse. Auffallend ist, dass Frau Martin die emotionalen Befindlichkeiten zum Beispiel in Verhörsituationen, kleinen Auszeiten oder auf dem Nachhauseweg der Ermittler immer wieder beschreibt, aber nie wertet. Gefühle passieren, der eine reagiert so darauf, der andere anders und beides wird akzeptiert.

Bei all den Gefühlen, Reaktionen und deren Verarbeitung bleibt der Spannungsbogen stets auf höchstem Niveau.

Chapeau Frau Martin!

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